Projekt 2: BISS – Bürger in sozialen Schwierigkeiten

BISS (Bürger in sozialen Schwierigkeiten) ist eine monatlich erscheinende Münchner Straßenzeitung, die Bürgern in sozialen Schwierigkeiten hilft, sich selbst zu helfen. Sie wird seit Oktober 1993 herausgegeben.
Das Straßenmagazin BISS ist politisch unabhängig und versteht sich als Lobby für Menschen, die von Armut und Obdachlosigkeit bedroht oder betroffen sind.
Das Heft wird von Profis gemacht und auch die Verkäuferinnen und Verkäufer kommen zu Wort. Die Verkäufer schreiben in der monatlichen Rubrik „Schreibwerkstatt“ eigene Texte über ihr alltägliches Leben. Bei der Erstellung der Texte werden sie von professionellen Journalistinnen und Journalisten unterstützt.
Vorbild für BISS war die Londoner Straßenzeitung The Big Issue, die Journalisten produzieren und Obdachlose verkaufen. Anders als in London sollten in München die Obdachlosen auch an der Erstellung der Zeitschrift beteiligt werden – allerdings in Kooperation mit professionellen Zeitungsmachern, wie Dr. Jürgen Micksch berichtet, der stellvertretende Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing von 1984 bis 1993 und einer der Gründer.
Ein kurzer Auszug zum Bericht von Herrn Dr. Jürgen Micksch: „Vom 26.-28. April 1991 habe ich obdachlose Menschen zu einer Tagung in die Evangelische Akademie Tutzing eingeladen. Im Vorfeld gab es dazu viele Bedenken. So wurde mir gesagt, dass Obdachlose nicht wieder aus dem Schloss auszögen, wenn sie gesehen hätten, wie schön sie dort wohnen und schlafen können.“
Die erste Ausgabe von BISS wurde am 17. Oktober 1993 vorgestellt – dem Internationalen Tag der Armut. Diese erste Ausgabe war schnell vergriffen und musste mehrmals nachgedruckt werden. BISS ist die erste Straßenzeitschrift in Deutschland.
Die Zeitung ist in München anerkannt und beschäftigt inzwischen etwa 100 Menschen, die überwiegend obdachlos sind oder waren. Besonders durch das Engagement der ehemaligen Geschäftsführerin Hildegard Denninger wurde bereits 2008 auch eine Stiftung eingerichtet, mit dem Ziel, Ausbildung und Qualifizierung von benachteiligten, insbesondere jüngeren Menschen zu fördern.
BISS hat heute eine monatliche Auflage von 40.000 Exemplaren pro Ausgabe und beschäftigt von seinen ca. 100 Verkäufern, 60 als festangestellte Verkäufer. Die Zeitung setzt auf Arbeit als Schlüssel zur Integration und schafft für Verkäufer, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance haben, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Der Verkaufspreis beträgt 2,80 Euro, wovon die (ehemals) obdachlosen und bedürftigen Verkäufer 1,40 Euro behalten dürfen.
Jeder BISS-Verkäufer und jede BISS-Verkäuferin mit Festanstellung hat einen persönlichen Paten der den Teil des Gehalts übernimmt, der durch den Verkauf der Zeitschrift nicht selbst erwirtschaftet werden kann. Das sind durchschnittlich 7.000 Euro pro Verkäufer und Jahr. Durch Übernahme einer Patenschaft helfen wir konkret Menschen in schwierigen Situationen und unterstützen die Idee, dass Eigeninitiative und Arbeit der Schlüssel für einen Neustart sind.
Informationen zur weiteren Finanzierung des Vereins BISS e.V. werden jährlich in der Oktoberausgabe in der Rubrik „Rückblick/Ausblick“ veröffentlicht oder können auf der BISS-Website abgerufen werden unter https://biss-magazin.de/finanzierung/
BISS setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe und engagiert sich mit allen Kräften dafür, dass arme Menschen einen Arbeitsplatz, bezahlbaren Wohnraum und einen guten Platz in der Gesellschaft haben.